Gentleman-Räuber Jaroslav & Rujena: Das Doppelleben der Bankräuber
Shownotes
Alle sprachen von den „Gentlemen“, doch hinter der höflichen Maske lauerte ein eiskaltes Kalkül. Jaroslav und Rujena B. waren kein romantisches Bonnie & Clyde, sondern ein Paar, das Banküberfälle wie einen 9-to-5-Job behandelte, um Spielsucht zu finanzieren. Wie konnten zwei Menschen 15 Jahre lang zwischen einem tschechischen Dorf und Tatorten in Deutschland pendeln, ohne jemals aufzufallen? Und wie war das Verhältnis der beiden Eheleute?
Die Kurierfahrer-Tarnung: Wie Jaroslav B. als Medikamenten-Lieferant bei Nacht die Fluchtwege der Region auswendig lernte und seine Ziele ausspähte.
Das 2-Millionen-Loch: Wo ist die Beute? Wir lüften das Geheimnis um die 300 Wettscheine und warum vom Reichtum am Ende nur eine moderne Einbauküche blieb.
Der Pakt des Schweigens: Rujena B. – die Prostituierte, die zur Komplizin wurde. War sie die Getriebene oder die eiskalte Planerin im Hintergrund?
Bizarre Funde: Was suchten die Ermittler in der geheimen Zweitwohnung und welches schockierende Geheimnis verbarg sich dort?
Verrat im Kugelhagel? Die grausame Wahrheit über die letzten Sekunden am Karlstor – warum Jaroslav seine eigene Frau beschoss, bevor es vorbei war.
Wenn du wissen willst, wie aus einem ruhigen Gamer einer der meistgesuchten Bankräuber Deutschlands wurde, musst du diese psychologische Rekonstruktion jetzt hören.
Du willst selbst rätseln und Detektiv spielen? Dann mach mit in unserem Spiel passend zu den Gentlemen-Räubern. Die Story: Eine Reporterin begibt sich 15 Jahre nach den Banküberfällen auf Recherche und verschwindet. Nur du kannst sie finden. Klick dich rein! https://gentlemen.adventurebox-karlsruhe.de/
Credits: Idee, Projektleitung, Casting, Sprechertraining, Drehbuch, Regie, Interviews, Aufnahme: Rebecca Ditt Recherche, Interviews: Sibylle Kranich Schnitt und Musik: Robin Landwehr Sprecher: Andreas Jüttner, Isabel Steppeler, Marie Orphal, Anne Herder, Leon Schäfer, Lars Geipel
Transkript anzeigen
00:00:04: Freitag, der Zehnte Dezember.
00:00:07: Carlsruhe Ein eiskalter Advents-Tag Kurz vor sechzehn Uhr.
00:00:13: Die Dämmerung liegt über die Stadt Menschen eilen über den Marktplatz Machen Weihnachts-Einkäufe.
00:00:20: Niemand ahnt dass genau hier in wenigen Minuten eine der längsten Bankraubserie in Deutschlands enden wird.
00:00:27: Und mit ihr Der Mythos der Gentlemenräuber.
00:00:32: Sie galten als höflich Als überlegt, ein Paar das mit leiser Stimmesprach.
00:00:39: Fünfzehn Jahre hielten sie die Polizei im Südwesten in Atem.
00:00:43: Kein anderes Täter Dover so konsequent und unsichtbar.
00:00:47: Zwischen nineteenhundertfünfeinundneunzig und zweitausendzehn überfielen Sie mindestens einundzwanzig Banken von der Pfalz bis nach Baden.
00:00:56: Sie kamen aus Tschechien jedes Jahr, forderten das Geld verschwanden wieder.
00:01:02: keine Fingerabdrücke Keine verwertbare Spur.
00:01:06: Höflich, aber bewaffnend, berechnend – aber unberechenbar.
00:01:13: Polizei aus Bildermathin Gerstner hat die Fälle und das Vorgehen anhand der Akten analysiert.
00:01:19: Die eine Frau beklagt sich, dass die Handschließe wehtut.
00:01:22: Der Täter getehr macht die Handschließe locker und sagt ich leg den Schlüssel im Eingangsbereich hin dann können sie ihrer Kollege letztendlich auch anschließend wieder aufmachen.
00:01:32: Sie könne ihr daraus schlüpfen.
00:01:33: oder er nimmt den Schlüsse von dem Fahrzeug Schlüssel vor einer Angestellte damit er mit diesem Fahrzeug fliehen kann.
00:01:41: Und die Angestellte sagt, dann zieht auch mal meinen Wohnungsschlüssel dran.
00:01:45: Ich komme jetzt nicht nach Hause.
00:01:47: Da geht der Herr macht den Wohnungsschlüssel weg?
00:01:49: Ja also da gibt es unzählige Geschichten was da alles passiert ist.
00:01:53: Die Vorgehensweise war so höflich dass sich die Soko den Namen Gentlemen gegeben hat und erst beim drittletzten Überfall hat die Soco eine andere Bezeichnung bekommen nämlich... Stein, weil man davon ausbegangen ist dass der nächste Überfall in der Bernsteinstraße stattfinden wird.
00:02:18: Ein Name der Haften bleibt und doch ein falsches Bild zeichnet.
00:02:23: Ja, damit zeigt sich im Prinzip eigentlich schon der Widerspruch auf.
00:02:27: Auf der einen Seite ein für Bankräuber sehr ungewöhnliches Verhalten das auch dann zu dem Polizeiintern Spitznamen-Gentlemen-Räuber geführt hat weil sie sich nicht nur entschuldigt haben sogar noch nach dem Befinden eines Lehrlings erkundigt haben, aber umgekehrt... haben sie natürlich dafür gesorgt, dass die Bank Angestellten in dem Fall Traumata erlebt haben mit denen sie teilweise auch heute noch zu kämpfen haben.
00:02:57: Ein Banküberfall ist ein schweres Verbrechen das zurecht unter hohen Strafen steht.
00:03:03: Das ist kein Kavaliersdelikt und von daher der Name Gentlemen.
00:03:11: Räuber war eindeutig natürlich zu
00:03:14: verharmlosen.".
00:03:15: Und wer ihnen gegenüberstand sah etwas anderes?
00:03:19: Nicht Höflichkeit, sondern Härte.
00:03:23: Die Presse schreibt vom Gentleman-Mythos – die Polizei spricht von einer beispiellosen Serie.
00:03:30: Für die Opfer bleibt es ein Trauma.
00:03:33: Fünfzehn Jahre leben sie in Doppelleben, unscheinbar, diszipliniert, kontrolliert.
00:03:39: Niemand weiß wer Sie sind!
00:03:42: Niemand vermutet dass die stillen Nachbarn aus Tschechien Deutschlands meist gesuchte Bankräuber sein könnten….
00:03:49: Dies ist ihre Geschichte.
00:03:52: Die Geschichte zweier Menschen, die glaubten sie könnten alles planen bis zum letzten Schuss.
00:04:02: Jaroslaw B wird in Gablans an der Neiße geboren ein Kind zwischen zwei Welten.
00:04:09: Seine Eltern ziehen mit ihm und seiner Schwester von einer damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland.
00:04:15: Zwei Kinder ein neues Leben im Karlsruhe seine Mutter und seine Schwester die deutsche Staatsbürgerschaft.
00:04:25: Ein Jahr später änderten sie ihren tschechischen Nachnamen, um anzukommen oder um nicht aufzufallen.
00:04:33: Sie lebten in einer Dreizimmerwohnung im Nord von Karlsruhe.
00:04:36: Doch seine Wurzeln wird Jaroslaw nie abschneiden.
00:04:39: Immer wieder zieht es ihn weg
00:04:41: vom Deutschland.
00:04:43: Er war eigentlich ein ziemlicher Einzelgänger als wir noch zusammengelebt haben War oft zu Hause, hat gelesen, war zurückhaltend und ruhig.
00:04:52: Man konnte mit ihm keinen Streit bekommen.
00:04:54: Er hatte nicht viele
00:04:55: Freunde.".
00:04:56: Unauffällig, so beschreibt ihn auch sein damaliger Freund.
00:05:00: ruhig
00:05:01: freundlich
00:05:02: hilfsbereit
00:05:04: guter Schüler aber ohne Leidenschaft für die Schule.
00:05:08: einer der nicht auffallen wollte und genau damit auf viel.
00:05:12: Jaro waren guter Schülern nicht gewalttätig Aber er liebte Waffen Kampfsport schach.
00:05:18: Nach der Realschule geht er aufs Wirtschaftsgymnasium in die Karlsruhe und bricht ohne Abschluss ab.
00:05:24: Danach Wehrdienst bei den Fallschirmjägern in Nagold, rund fünfzig Kilometer südwestlich von Stuttgart.
00:05:31: Ein Freund sagt dieses Nullachtfünfzehn Soldat sein.
00:05:35: das hat ihn nicht gefordert!
00:05:37: Das war ihm zu blöd.
00:05:38: Dennoch beendet er den Wehr-Dienst.
00:05:40: Vielleicht beginnt hier die Suche nach Herausforderung?
00:05:44: Er liest Militärbücher trainiert plant ein Mann der Ordnung braucht und Risiko
00:05:50: sucht.
00:05:52: Nach dem Bund arbeitet er als Kurierfahrer für einen Karlsruherz Neimittelvertrieb.
00:05:57: Nachtschichten, Apothekenbelieferung mit seinem Corsa – das Geld gibt der Femite und Ballerspieler aus.
00:06:05: Später merken die Ermittler viele der überfallenen Banken liegen in der Nähe von Apothecken.
00:06:12: In den Nächten lernt er die Straßen der Region auswendig.
00:06:15: Jede Abzweigung jeden Parkplatz jede Ausfahrt Die perfekte Wege für eine Flucht.
00:06:22: Er wohnt in Karlsruhe zur Untermiete bei einem Pärchen, nutzt Küche und Bart mit.
00:06:27: Ein leises WG-Leben.
00:06:30: Im Internet lernt er seine Freundin kennen.
00:06:33: Sie macht eine Ausbildung im Düsseldorf.
00:06:35: Im Chat nennt er sich Karls Ruhe XXIII, charmant zurückhaltend romantisch.
00:06:43: Mit einem Riesenstrauß steht er eines Tages vor ihrer Tür – der Internet flört wird zur Beziehung!
00:06:49: Der war charmant und romantische aber auch... extrem kontrollierend.
00:06:54: Er wollte nie raus oder Freunde treffen, er saß meistens vom Computer, hat Ballerspiele gespielt und wenn wir Streit hatten ist er weggefahren, hat gemeint das sei jetzt in
00:07:04: Tschechien.".
00:07:05: Mitte der Neunziger verändert er sich.
00:07:07: Seinem Weggefährten in Karlsruhe fallen die neuen gleichaltigen Freunde auf – sie sind im Suspekt!
00:07:14: Neue Freunde mit Wurzeln in Osteuropa, mit großen Autos und viel Geld.
00:07:20: Eines Tages steht Jaroslaw selbst mit einem Zweihundert PS-Wagen vor der Tür.
00:07:28: Er war oft unterwegs und hatte immer mehr Geld, obwohl er seinen Job gekündigt hat.
00:07:32: Ich dachte schon, er ist auf die schiefe Bahn geraten – vielleicht Drogengeschäfte oder Autoshieberei?
00:07:38: Der Karlsruher Freund und WG Mitbewohner befürchtet, dass eines Tages die Polizei vor der Türe stehen könnte und kündigt Jaro das Mietverhältnis.
00:07:46: Sie trennen sich friedlich wie der Freund betont.
00:07:49: Als Jaroslav in Karlsrow seine Wohnung verliert zieht er zu seiner Freundin und deren Eltern.
00:07:55: Ein neues Kapitel, aber kein neuer Mensch.
00:07:59: Er sitzt stundenlang am Computer, plant, recherchiert, fährt regelmäßig nach Tschechien.
00:08:05: Er zahlt keine Miete – nur gelegentlich das
00:08:08: Essensgeld.".
00:08:10: Der saß immer zu Hause!
00:08:12: Wir hatten zusammen einen Hund.
00:08:14: Nur zum Gassi gehen ist Jaro manchmal mit rausgekommen.
00:08:17: Dass er angeblich auf Arbeitssuche war davon habe ich nichts mitbekommen.
00:08:22: Deswegen haben wir uns auch öfter gestritten und meiner Mutter hat es auch nicht gefallen.
00:08:27: Er meinte, er wird sich in Auslieferungsjob auch hier
00:08:30: suchen.".
00:08:31: Über Jaroslav und seine Reisen nach Tschechien kursieren viele Vermutungen.
00:08:35: Seine Ex-Freundin erinnert sich an einen Besuch dort – an ein Haus mit kleinem Laden das seinem Onkel gehört haben soll!
00:08:42: Ein kräftiger Mann etwa fünfzig.
00:08:45: Inhaber eines Lebensmittelladens.
00:08:48: Jaroslaf sprach davon dass der Onkel ihn unterstütze finanziell oder geschäftlich.
00:08:53: Ich war zwei, drei Mal mit ihm in Tschechien.
00:08:55: Er hat mir dort das Haus von seinem Onkel gezeigt.
00:08:58: Daneben war der Laden.
00:09:00: Der Sohn von seinem Ongel hat auch nicht weit entfernt gewonnen in so einem Plattenbau.
00:09:04: Ich erinnere mich genau an den.
00:09:06: Der war schlank, eins-achtzig groß hatte dunkelblonde Haare und war so Mitte zwanzig.
00:09:12: Als ich später dann das Phantombild vom Überfall auf die Sparkasse da in Karlsruhe Rüpphoher gesehen habe ... Da war Gleich sicher, das ist der Cousin.
00:09:22: In den Ermittlungsakten taucht tatsächlich ein Hinweis auf einen möglichen Drittentäter bei den Banküberfällen auf.
00:09:30: Er war bis zum siebten Überfall in Hockenheim dabei.
00:09:34: Damals als er arbeitssuchend war meinte Jaroslav dass er mit seinem Cousins was in Tschechien im Rotlichtmilieu aufbauen will.
00:09:41: Er meinte man könne dort Mädchen auf den Strich schicken.
00:09:44: ihre geeignetheit könne man ja auch selbst ausprobieren.
00:09:49: Das hat mich total stinkig gemacht, zumal er eh ständig in Tschechien war.
00:09:54: Also er war Polizei nicht in Deutschland, wenn ich recht weiß gar nicht dauffällig.
00:10:00: Sie beendet schließlich die Beziehung.
00:10:02: sie wollte nicht immer Händchen halten und zu Hause sitzen erzählt die Ex-Freunde der Polizei später.
00:10:08: durch den gemeinsamen Hund hatten sie weiter Kontakt.
00:10:12: Er zog wohl wieder nach Karlsruhe berichtet sich später der Polizei.
00:10:16: Jaroslaw sagte ihr, er wolle sich ein Haus in Tschechien kaufen.
00:10:20: Zwei Jahre später kommt er zu seiner Ex um seine Sachen zu holen.
00:10:23: Als er damals die Sachen in meinem Keller zusammengepackt hat, hat er mir erzählt das eine Frau nach Hause bestellt hätte.
00:10:30: Die wollte ein Tschechin heiraten und dann auch dort mit ihr leben.
00:10:34: Sie hatte schon einen Sohn aus einer früheren Beziehung.
00:10:37: danach habe ich nie wieder was von ihm gehört.
00:10:39: Ende der Neunziger meldet Jaro in Tchechien ein Gewerbe an.
00:10:43: Ein letzter Besuch bei seinem Freund in Karlsruhe.
00:10:46: Im Auto wartet eine Frau, die er nicht vorstellt – sie spricht kein Deutsch", sagt er vermutlich Rujena.
00:10:54: Die Fotos, die die Ermittler in Tschechien entdecken, passen kaum zu dem was sie am zehnten Dezember Jahrzehntes in Karl's Ruhe erleben.
00:11:03: Auf den Bildern ein atletischer durchtrainierter Mann auf der Straße vor der Bank einen Körper gezeichnet von Jahren am PC.
00:11:18: Also die Entschuldigung.
00:11:21: der Täter hat zumindest den Rückschluss zugelassen, dass es sich hier nicht um irgendwelche hauptsgesotten Gangster handelt sondern das da doch ein bürgerlicher Hintergrund dahinterstecken musste.
00:11:44: der immer alles im Griff haben wollte, bis er es nicht mehr hatte.
00:11:52: Ihr Name war Rujena B., zwei Jahre jünger als Jaroslav geboren in Krummlau, Südbömen.
00:12:01: Über ihr Leben weiß man erstaunlich wenig – fast nichts!
00:12:05: Ein Schatten, der nur sichtbar wird wenn er neben jemand anderem steht.
00:12:10: Die Akten zeigen?
00:12:11: Sie war verheiratet, hatte einen Sohn.
00:12:14: Ihr Ex-Mann starb bei einem Autounfall, als der Junge fünf war.
00:12:19: Eine Frau, die frühe Lernen musste allein zu überleben.
00:12:23: Später taucht ihr Name in Polizeiregistern auf – in Frankfurt.
00:12:28: Nicht als Beschuldigte sondern als Prostituierte.
00:12:32: Das berichtet die Journalistin und Autorin Marianne Paschkewitz.
00:12:37: Über das Kennenlernen gibt es unterschiedliche Aussagen.
00:12:40: Jaroslaw Schwester wird der Polizei kurz nach der tödlichen Schießerei sagen dass sie beiden sich in einem Urlaub in Tschechien kennengelernt haben.
00:12:48: Rujena hat zwar Deutsch verstanden, hat sich aber geschämt, Deutsch zu sprechen.
00:12:54: Sie hat eigentlich so gut wie nie Deutsch gesprochen!
00:12:57: Sie hat nach Deutschland auch gar keinen Bezug.
00:13:01: Soweit ich weiß, hat sie immer in Tschechien gelebt.
00:13:05: Ich war auch mal bei ihnen Zuhause in Ttschechen.
00:13:08: Ich weiß nicht was sie für eine Schulbildung hatte.
00:13:11: Mitte der Neunziger eher der Ex-Soldat – sie die Frau mit Vergangenheit und Verlust.
00:13:18: Niemand weiß, wer den ersten Schritt tat.
00:13:21: Bald wurden sie ein Team –
00:13:23: privat
00:13:24: und später kriminell.
00:13:26: Eine Beziehung aus Vertrautheit und Abhängigkeit.
00:13:30: Gugena war eine ganz liebe!
00:13:33: Es war ne sehr harmonische Partnerschaft.
00:13:36: Man hat sich gleich wohl bei ihnen gefühlt.
00:13:40: Er nimmt ihren Namen an.
00:13:42: Ein ungewöhnlicher Schritt.
00:13:45: Mit dem Namenswechsel beginnt ein zweites Leben.
00:13:48: Die Autorin und Journalistin Marianne Paschkewitz war in Tschechien, hat recherchiert.
00:13:53: In ihren Recherchen steht...
00:14:18: Luginas kleiner Sohn war immer dabei.
00:14:20: Lugina unterschrieb seinerzeit den Kaufvertrag über zweihundertneunzigtausend tschechische Kronen, das waren damals etwas über bescheidenen einundzwanzig tausend Mark.
00:14:31: Zwei-tausendsacht wurde das Häuschen dem damals achtzehnjährigen Sohn
00:14:34: überschrieben.
00:14:36: Nach außen lebten sie Bescheiden unauffällig – dass viele Geld, die erbeudeten, floss vermutlich nicht in das Gebäude.
00:14:43: Es waren ganz normale nette Leute... Sie waren einfach nicht da.
00:14:51: Das einzige was in der Wohnung gut war, das war eine Küche.
00:14:55: Die war modern und ein PC, der wirklich auf modernstem Stand war.
00:15:03: Und die Kollege habe dann recherchiert dass er vermutlich im Internet gezuckt hat und hat dann das Geld quasi im Internet verspielt.
00:15:14: Auf dem Tisch ein Adventskranz im Regal rund dreihundert Wetscheine.
00:15:19: Fotos vom Urlaub, ein Trainingssack auf dem Dachboden – Ein Leben zwischen Routine und Ritual.
00:15:26: Die Nachbarn sehen sie selten.
00:15:28: Einmal im Supermarkt, ein anderes Mal beim Briefe holen.
00:15:32: Sie fahren einen alten Wagen nicht sauffälliges Kein Luxus, kein Hinweis auf Reichtum.
00:15:38: Vielleicht lag darin ihr Geheimnis die perfekte Unscheinbarkeit Zwei Menschen, die sich unsichtbar machten um nicht gesehen zu werden.
00:15:48: Er zieht aus, lebt mit seiner Freundin.
00:15:55: Als die Polizei das Haus durchsucht findet sie keine Beute aber viele Fragen.
00:16:01: Zu aller Überraschung hatten die Räuber noch eine zweite Adresse.
00:16:12: eine möblierte Zwei-Zimmerwohnung gemietet.
00:16:15: Die Wohnung machte einen unbewohnten Eindruck, berichteten die Karlsruher Kriminalbeamten.
00:16:21: kaum persönliche Gegenstände.
00:16:25: schon das Haus habe ein anonymem Eindruck gemacht.
00:16:28: keine Klingelschilder an den Wohnungstüren nur Nummern zwölf bis fünfzehn Parteien auf fünf Stockwerken.
00:16:35: Die Rolle der Wohnung sei ihnen nicht ganz klar gewesen Auch wenn sie als Fluchtpunkt gedacht war, hätte ich zumindest ein Duschgel und zwei Zahnbürsten dort gehabt, das sich nicht mehr raushubnüsste.
00:16:47: So ihre Überlegung.
00:16:49: Bemerkenswert fanden Sie auch zwei an der Decke angebrachte Schwerlasthaken aus daumendickem Stahl.
00:16:55: wie ein Schweineschwänzle.
00:16:57: zogen sie den Vergleich.
00:16:59: Sie hätten das Körpergewicht eines Menschen
00:17:01: gehalten.
00:17:02: Der Vermieter beteuerte dass die Haken dort nicht hingehörten.
00:17:10: Gegenüber der Presse in Tschechien sagt er, dass er eine normale Kindheit hatte.
00:17:15: Wenn er was wollte musste er sparen.
00:17:17: Seine Eltern hätten anderen geholfen für Tier- und Kinderheime gespendet.
00:17:22: Er werde sich nie schämen.
00:17:25: Für die Polizei bleibt seine Mutter lange die Komplizin.
00:17:30: Doch Zeugen beschreiben sie als nervös, unsicher überfordert.
00:17:35: Sie läuft meist vor ihm her auch am letzten Tag in Karlsruhe.
00:17:40: Vielleicht war sie die Getriebene in dieser Beziehung, oder die, die nicht mehr wusste wie sie aussteigen sollte.
00:17:47: Eine Frau, die ihre Identität an die des Mannes verlor.
00:17:51: Beim Überfall auf die Sparkassenfiliale in Luhstadt am zwölften August, ist zum ersten Mal eine weibliche Täterin dabei.
00:18:01: Es muss kurz nach dem Kennenlernen der beiden im Urlaub gewesen sein.
00:18:05: Wenige Monate später bei über Fall Nummer neun auf die Bank in Brobenheim sind es zum ersten Mal drei Täter.
00:18:12: Zwei Männer, eine Frau.
00:18:15: Einen Überfall später verschwindet sie wieder von der Bildfläche.
00:18:18: Vorerst ab dem Jahr ist das nur noch er und sie.
00:18:28: Nach den ersten Jahren ist klar – die Gentleman-Räuber handeln nach Planen.
00:18:34: Nichts geschieht zufällig!
00:18:36: Die Polizei erkennt ein widerkehrendes Muster.
00:18:39: Keine Filialen?
00:18:41: Klare Grundrisse?
00:18:43: Wenig Personal.
00:18:44: Bis die Ehre ging munter weiter, bis zum einundzwanzigsten Fall eben und besonders für uns war
00:18:53: das
00:18:54: neben unserer Haustür also in der Landauer Straße.
00:18:58: zwei Fälle waren ja und zwar bis auf zwei Tage einen Jahr auseinander Und da ist schon gegen die Ehren gegangen Da braucht man so niemand mehr zu motivieren.
00:19:10: Und dann haben wir soweit geschrieben, dass die Mittagspause zwei Besatzungen oder drei Besatzung die Mittagspause in der Landauer Straße verbracht und zwar täglich.
00:19:23: Weil eben
00:19:24: die Mittachtspause die
00:19:25: Zeit war,
00:19:26: wo dann
00:19:27: die Daten erfolten.
00:19:29: Ihre Vorgehensweise ist präzise – zuerst die Frau freundlich fast ruhig.
00:19:36: Sie fordert das Geld in die Taschen zu packen.
00:19:39: Der Mann steht neben dem Tresor zieht die Waffe.
00:19:42: Keine Maske, keine
00:19:44: Hass.
00:19:45: Sie drohen selten – aber klar!
00:19:48: Sie wissen wie lange es dauert bis die Polizei kommt.
00:19:52: Sie wissen, wie sie Zeit gewinnen.
00:19:54: Nach dem Raub nehmen sie das Auto eines Bankangestellten, fahren ein paar hundert Meter und lassen es stehen.
00:20:00: Harten ordnungsgemäß.
00:20:02: Sie kennen die Gegend besser als jeder Polizist.
00:20:06: Über die Jahre entwickeln sie ein inneres Kartenwerk.
00:20:09: Jeden Waldweg Jede Umgehung.
00:20:12: Die Beute variiert, fast immer liegt sie im sechsstelligen Bereich.
00:20:17: Insgesamt sind es fast zwei Millionen Euro.
00:20:20: Doch niemand kann später sagen wo das Geld blieb?
00:20:23: keine Konten, keine Luxusgüter.
00:20:26: am Ende des Tages auch die Frage wofür das Geld in Prinzip dann drauf gegangen ist weil es ist ja wohl nicht nur alles für das normale bürgerliche Leben draufgegangen sondern vermutlich ein bisschen fürs Spiel sucht.
00:20:38: Vielleicht ging es ihnen nicht ums Geld.
00:20:41: Vielleicht um das Spiel, die Kontrolle... ...die Routine!
00:20:46: Die Überlegenheit gegenüber dem System.
00:20:50: Für die Ermittler wird das Muster zum Albtraum.
00:20:53: Über Jahre bauen sie eine gemeinsame Datenbank auf.
00:20:56: Krahlsruhe, Ludwigshafen, Mannheim, Südpfalz.
00:21:02: Für die Polizei wird die Suche nach dem Muster zur Suche Nach Schatten.
00:21:06: Für den Täter wird der Raub zur Routine und Routine ist gefährlich.
00:21:13: Im Herbst Jahrzehnte planen sie erneut – so wie immer!
00:21:18: Nur dieses eine Mal läuft der Plan nicht mehr nach ihren Regeln.
00:21:26: Herbst, Jahrzehn.
00:21:29: Fünfzehn Jahre nach dem ersten Überfall Das Paar lebt noch immer im kleinen Haus bei Budweiß und Schiffzitzel.
00:21:39: Die Routine hat Risse bekommen.
00:21:41: Irgendetwas verändert sich.
00:21:44: Die beiden Überfälle vor dem Vorletzten auf die Sparkasse in der Heidensstückersiedlung in Karlsruhe und im Dezember-Zweißundneun, in Mannheim Käferthal waren aus Sicht der Verbrecher überaus erfolgreich.
00:21:56: Einhundertdreiund neunzigtausend Euro – und über einhundert dreißig tausend – hat das Paar erbeutet.
00:22:03: Ahnen die Täter dass ihre Glückssträhne enden könnte?
00:22:07: In Mannheim gelingt es einem Bankangestellten den männlichen Täter im Trisorraum einzuschließen Als er die Treppe hochrennt, um Hilfe zu holen, rammt er fast die Bankräuberin.
00:22:18: Was er nicht weiß?
00:22:20: Der Tresorraum lässt sich von innen öffnen und der Täter ist schneller wieder frei als die Angestellten, die Frau überwältigen können.
00:22:29: Die Gentlemen-Räuber kommen mit der Beute und einem Riesenschrecken davon.
00:22:33: Ist das der Moment, in dem alles
00:22:35: kippt?
00:22:37: Die Ermittler wissen nichts davon.
00:22:40: In Schiftsitze werken auch die Nachbarn keine Veränderung Aber im Inneren des Hauses wächst der Druck.
00:22:47: Auf dem Tisch liegen Wettscheine, Rechnungen alte Zeitungen.
00:22:51: Jaroslaw schreibt Listen zählt Geldscheine.
00:22:54: Lujina schweigt sie ist müde.
00:22:57: Das meiste Geld soll für die Wettgeschäfte drauf gegangen sein finden ihr mittlerweile später heraus.
00:23:04: Der vorletzte Überfall wenige Monate vor dem großen Showdown an Karls Tor lohnt sich für das Duo kaum.
00:23:12: Die Beute von vierzigtausend Euro wird nicht reichen um wieder ein Jahr lang über die Runden zu kommen.
00:23:18: Sie haben irgendwann angefangen, sich auf ihr Muster zu verlassen – das ist menschlich!
00:23:23: Wenn man glaubt, man kennt das Spiel, übersieht man dass andere mitspielen.
00:23:28: Der Planer in ihm will noch einmal die Kontrolle Noch ein letztes Mal alles richtig machen.
00:23:35: Die Tage vergehen.
00:23:37: Ein neuer Plan liegt auf dem Küchentisch Karlsruhe Volksbank-Karlstor.
00:23:42: Ein Ziel wie viele zuvor.
00:23:44: Mein Plan?
00:23:45: Wie immer Am zehnten Dezember Jahrzehntes steigen Jaroslav und Rujina in eine Straßenbahn im Pforzheim.
00:23:53: Sie haben in einem Hotel nahe des Bahnhofs
00:23:55: übernachtet.
00:24:08: Wenige Stunden später endet die Serie am Karlstor, zwei Menschen und fünfzehn Jahre Banküberfälle in fünfzehnen Sekunden.
00:24:18: Ihr Ende hatten sie wahrscheinlich schon durchgesprochen.
00:24:22: Jaroslav stirbt letztlich durch den Schuss des Polizisten?
00:24:26: Burjana erschießt sich selbst.
00:24:54: Dann die erste wahrscheinliche Überlegung war, wir nehmen Geiseln.
00:24:59: Das heißt sie hatten Handschließe dabei gehabt.
00:25:02: Sie haben einen Pfefferspray dabei gehabt.
00:25:05: Der Täter als welches war schwerstbewaffnet.
00:25:08: der hat drei Magazinen gehabt eins in der Wasser drin mit fünfzehn Schuss und zwei Magazinen mit jeweils vierzehnt Schuss in einer Reservenmagazin, also Magazintasche.
00:25:22: und da wird wahrscheinlich das eine Überlegung gewesen sein.
00:25:25: Die zweite Überlegungen wir schießen uns den Weg frei was sie in dem Fall ja auch gemacht haben.
00:25:32: Sie aber versucht sich den Weg freizuschießen.
00:25:34: Und die dritte überlegung dann?
00:25:36: Was ist wenn wir von der Polizei festgenommen werden?
00:25:40: Dann denke ich mal dass ich gesagt habe okay mit denen wir es zuizid, weil mit einer Zwanzig-Überfälle mit allem Traum daran wissen wir, dass das eine sehr, sehr langer freie Strafe zu befürchten ist und vielleicht auch darin besprochen.
00:25:58: Wir helfen uns gegenseitig wenn wir den Suizid nicht
00:26:01: schaffen.".
00:26:02: Was bleibt vom Begriff Gentlemen-Räuber?
00:26:05: Dieser Begriff Gentleman hat da schon irgendwo auf ihn zugetroffen aber der hatte auch zwei Gesichter dieser Gentlemen Und das muss man aufsehen.
00:26:15: Das soll frische Vorgehen, aber dann anschließend auch die Konsequenz sein Magazin gegenüber der Polizei leer zu
00:26:21: schießen.".
00:26:22: Als es vorbei ist, fallen Schnee und Stille über Karlsruhe.
00:26:27: In Schiefzitzel bleibt ein Haus zurück – und ein Sohn, der nie alles verstehen wird!
00:26:46: Pferdestelle, ein paar alte Häuser.
00:26:48: Kein Wirtshaus.
00:26:50: Am Rand des Dorfes steht ein schmales Haus mit grünen Fensterläden Früher eine Schäferei Jetzt still.
00:26:59: Darin endete ein Leben voller Geheimnisse.
00:27:02: Darin begann einen Mythos.
00:27:05: Als die Nachricht aus Karlsruhe kommt fährt die Polizei nach Gypsitze.
00:27:10: In den Zimmern finden sie Waffen, Unitionen und Wetscheine Aber kein
00:27:14: Geld.
00:27:17: Auf dem Tisch liegt ein angefangener Brief Ohne Absender.
00:27:21: Im Terrarium neben dem Ofen ein Leguan, daneben ein kleiner Tresor eingemauert verschlossen.
00:27:29: Der Sohn, zwanzig Jahre alt, lebt nicht mehr hier.
00:27:33: Er kommt ein paar Tage später zurück stellt Kerzen aufs Fensterbrett.
00:27:38: In den tschechischen Zeitungen gibt es Bilder vom Haus.
00:27:41: Das Haus der Gentleman-Räuber so die Schlagzeile.
00:27:46: Menschen aus dem Dorf sehen sich darauf zum ersten Mal selbst in der Geschichte wieder.
00:27:51: Die Bürgermeisterin sagt, sie hätten nichts geahnt.
00:27:54: Sie haben ihre Steuern bezahlt und die Tiere gefüttert.
00:27:57: Wir hatten keinen Grund zu
00:27:58: zweifeln.".
00:28:00: Vielleicht lag genau darin ihr Erfolg – unscheinbar zu sein!
00:28:05: Eine Fassade so unauffällig dass niemand sie sah bis sie zusammenbrach.
00:28:12: Das Haus steht nicht mehr.
00:28:15: Im Dorf redet kaum noch jemand über das Paar, was in Deutschland bekannt war als die Gentleman-Räuber
00:28:22: Aber die Geschichte bleibt in Zeitungen, in Polizeischulen und in Erinnerungen.
00:28:32: Hier ein kurzer Hinweis zum Fall Graureyer.
00:28:35: Uns sind neue Videoaufnahmen zugespielt worden.
00:28:37: Darauf ist zu sehen wie Clara an einer Glasfassade etwas anbringt.
00:28:41: Leider können wir wieder erkennen was sie dort genau befestigt hat noch wo diese Aufnahme entstanden ist.
00:28:47: Falls jemand von euch eine Idee
00:28:49: hat,
00:28:49: wo diese Glasfassade sein könnte schaut dort bitte mal genau hin.
00:28:53: Vielleicht findet ihr dort das was Clara hinterlassen hat.
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