Nichts an ihnen war Gentlemen: Die Opfer und das Trauma
Shownotes
Ein bürgerliches Paar, höfliche Bankräuber – so lautete die Schlagzeile. Doch für die Menschen, die in den Tresorräumen in den Lauf einer Waffe blickten, gibt es an dieser Geschichte nichts „Gentleman-haftes“.
Der 10. Dezember 2010 markiert das Ende einer der längsten Bankraub-Serien Deutschlands. Doch während die Ermittlungsakten irgendwann geschlossen wurden, blieb die Zeit für die Opfer am Karlstor stehen. In dieser Folge lassen wir diejenigen zu Wort kommen, deren Leben sich in wenigen Minuten für immer veränderte. Wir reden mit dem Polizisten, der den Räuber erschossen hat. Wir sprechen mit der Polizistin, die angeschossen wurde. Und wir haben die Protokolle der Gespräche mit den Bankangestellten.
Wir blicken hinter die Fassade des „Gentleman“-Mythos und sprechen über die unsichtbaren Narben, die ein Schusswechsel und Todesangst hinterlassen.
Was du in dieser Folge erfährst:
- Der Moment der Wahrheit: Ein Bankangestellter berichtet exklusiv über die beklemmende Stille im Tresorraum und warum er den Begriff „Gentleman-Räuber“ für zynisch hält.
- Im Kugelhagel: Einsatztrainer Martin Gerstner rekonstruiert die dramatischen Sekunden am Karlstor und das traumatische Erlebnis einer angeschossenen Kollegin.
- Psychische Spätfolgen: Warum auch Jahre nach der Tat ein simpler Artikel oder ein fremdes Gesicht ausreichen, um die Panik zurückzuholen.
- Der „zweite Geburtstag“: Was es bedeutet, mit dem Wissen weiterzuleben, dass ein einziger Tag alles Vorherige ausgelöscht hat.
Die Ermittlung geht weiter – löse den Fall der verschwundenen Journalistin direkt in Karlsruhe.
Idee, Projektleitung, Recherche, Sprechercasting, Sprechtraining, Interviews, Umsetzung: Rebecca Ditt Redaktion, Recherche, Interviews, Umsetzung: Sibylle Kranich Sprecher: Andreas Jüttner, Mari Orphal, Lars Geipel, Anne Herder Schnitt: Robin Landwehr
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00:00:00: Hallo, liebe Podcast-Fans.
00:00:02: Wir sind überwältigt
00:00:03: von der Hilfe, die ihr organisiert
00:00:04: habt.
00:00:05: Wahnsinn.
00:00:06: Mit einem wenig Glück können wir unsere Kollegin bald wieder in die Arme schließen und mit ihr ein paar Rahmenessen gehen.
00:00:11: Die liebt sie ja so sehr.
00:00:28: in einem Schusswechsel.
00:00:34: Was danach bleibt, sind nicht nur Ermittlungsakten, sondern Menschen, die getroffen wurden.
00:00:40: Im wahrsten Sinn des Wortes.
00:00:43: Diese Folge erzählt ihre Geschichte, die Geschichte der Opfer, derer, die überlebt haben und weiterleben müssen.
00:01:03: Am Anfang steht ein Routine-Einsatz.
00:01:07: Ein Alarm.
00:01:08: Martin Gerstner.
00:01:10: ist zu dieser Zeit Einsatztrainer bei der Polizei.
00:01:12: Zuständig für die Themenbereiche Selbstverteidigung und verschiedene andere Dinge noch.
00:01:18: Kontext mit der Gentleman-Geschichte war die, dass sich an diesem Tag, zehnte Dezember, Jahrzehnt, diesen Freitag, gerade auf dem Weg war, vom Trainingszentrum in Dullach nach Karlsruher Stadt in die Bayerteime Allee, weil da die Dienststelle war, und habe dann Als ich von Tollacht losgefahren bin, schon mitbekommen, dass eine Alarmerslösung in der Volksbank am Kaltstor ist.
00:01:47: Mir ist gleich durch den Kopf gegangen.
00:01:50: Das könnte noch ein Gentleman überfallen werden, wenn es ein echter Alarm ist.
00:01:55: Über
00:01:55: Funk hört der Einsatztrainer, wie sich die Lage entwickelt.
00:02:04: Die Kollegen sind ganz in der Nähe.
00:02:07: Zwei von ihnen werden wenige Minuten später in den Schusswechsel verwickelt und überleben wohl auch, weil sie trainiert worden waren.
00:02:16: Die beiden stehen unter Druck, doch ihre Reaktion ist instinktiv richtig.
00:02:21: Der Kollege hat zwölfmal geschossen und hat dann sofort einen Magazinwechsel gemacht, was einsatztaktisch super ist.
00:02:31: Das muss man wirklich sagen.
00:02:33: Ja, und dann war die Geschichte der Gentleman zu Ende.
00:02:39: Beim Schusswechsel am Karlsruher Karlstor wird die junge Polizistin im Oberschenkel getroffen.
00:02:45: Sie überlebt.
00:02:46: Doch was folgt, ist keine schnelle Rückkehr in den Alltag.
00:02:50: Nur wenige Monate zuvor, im September, war sie erst auf das Polizeirevier Karlsruher versetzt worden.
00:02:58: Ein neuer Dienstort, neue Kollegen, neue Abläufe.
00:03:02: Der Überfall wird zu ihrem ersten großen Ernstfall.
00:03:06: Vom Schuss in den Oberschenkel spürt sie zunächst wenig.
00:03:27: In
00:03:32: der Situation funktioniert sie.
00:03:34: Sie erstarrt nicht.
00:03:35: Sie behält den Überblick über die Szenerie.
00:03:38: Ich hätte es vorher auch nicht sagen können, bin ich eingefroren, bin ich jemand, der flüchtet?
00:03:43: oder kann ich tun, weiß ich nicht.
00:03:45: Ich bin aber davon überzeugt, dass das Training, was wir bekommen, ein gutes Training ist und Handlungsabläufe einfach automatisiert sind.
00:03:58: Weil man in den Situationen halt nicht mehr viel überlegen und nachdenken kann.
00:04:02: wie ist es jetzt richtig, wie ist es jetzt gut, sondern man macht einfach und das war ja das Richtige.
00:04:08: Also ich kann nur sagen so, von meiner Sicht als Einsatztrainer war die Erkenntnis, wie wichtig es ist, so eine Situation zu trainieren und dass es nie eine Frage Dörtlichkeit ist und nie eine Frage der Alter des Polizeibeamte vom ersten Tag an, wo ich eingestellt wird bis zum letzten Tag.
00:04:29: bevor ich in Pension gehe, kann ich mit sowas konfrontiert werden.
00:04:33: Und das sage ich, wenn man trainiert hat, ist die Wahrscheinlichkeit einfach ein bisschen größer, dass man die Situation managerieren kann.
00:04:51: Also kurz bevor die Türen zugegangen sind, habe ich noch meinen ehemaligen Gruppenführer gesehen.
00:04:57: Die waren damals auch im Einsatz auf dem Reviermarktplatz.
00:05:00: Die machen ja immer so auf dem Weihnachtsmarkt.
00:05:02: Kontrollen werden die dann angefordert und derstand dann noch am Krankenwagen hat.
00:05:06: Alles Gute gewünscht, dass in die Türen dann zugegangen.
00:05:09: Und ich für mich war dann froh, da wegzukommen.
00:05:15: Kein Jubeltrubel, weil natürlich sind dann Leute ohne Ende gekommen und es wurde abgesperrt.
00:05:22: Das habe ich schon noch alles irgendwie ein bisschen mitgekommen.
00:05:25: Und ich war dann froh, da weg zu sein.
00:05:28: Und im Krankenwagen selber kam dann gleich eine Kollegin von unserer damaligen Psycho ... psychologischen Betreuung, internen Betreuung, die zufällig in der Nähe war.
00:05:41: Die kam dann gleich, wir haben uns damals auch noch nicht gekannt und hat sich vorgestellt.
00:05:45: Und das war für mich
00:05:46: gut.
00:05:47: Die Kollegen, die nicht am Ort des Geschehens sind, machen sich große Sorgen.
00:05:52: Erste Nachrichten laufen auf dem Handy der Polizistin ein.
00:05:55: Und dann habe ich zu der Kollegin, die bei mir drin war, gesagt, du ruf mein Mann an.
00:06:00: Der hatte am nächsten Tag Geburtstag.
00:06:03: Ich habe gesagt, weil wenn ich anrufe, dann breche ich tatsächlich zusammen.
00:06:06: Und wenn ich da jetzt anfangen muss zu erzählen, wenn ich das gemacht hätte, dann wäre es für mich deswegen, ich konnte immer noch so, mach du das mal.
00:06:13: Sagen, das hat sie gemacht, nimmt mein Handy, ruft ihn an und er sagt nur, Moment, ich rufe dich gleich zurück.
00:06:19: Ich trage gerade Getränkekisten hoch und leg wieder auf.
00:06:23: Okay, er hatte dann zurückgerufen und ist dann auch gleich ins Krankenhaus gekommen.
00:06:33: Und im Krankenhaus selbst, als ich da eingeliefert wurde, kommt der Arzt zu mir und schaut mich an und ich schaue ihn an.
00:06:42: Und dann war das ein Freund von uns.
00:06:45: Das war auch ein totaler Zufall.
00:06:48: Ich wusste gar nicht, dass er in dem Krankenhaus arbeitet.
00:06:50: Im Krankenhaus kehrt die Zeit zurück.
00:06:53: Nach dem Tunnel, nach den Schüssen.
00:06:56: Sie liegt auf Station, operiert, versorgt, aber doch mitten im Adrenalin.
00:07:02: Die Minuten, die über Leben und Tod entschieden, schrumpfen im Rückblick auf Sekunden.
00:07:07: Erst jetzt begreift sie das Ausmaß dessen, was geschehen ist.
00:07:13: Und das draußen längst eine Pressekonferenz läuft.
00:07:16: Nach der Operation im Krankenhaus, mein Mann war dann auch gleich da.
00:07:21: Und mein Streifenpartner war auch gleich da.
00:07:25: Dann hat er auch gesagt, was glaubst du, Kim, wie lange hat das
00:07:27: jetzt gedauert?
00:07:28: Wie lange hat diese Situation gedauert?
00:07:30: von ... Dem Funkspruch, da kommen zwei raus.
00:07:32: Wir kontrollieren die jetzt, bis dass die auf der Straße liegen.
00:07:37: Ich glaub, ich weiß nicht, sind zwölf Minuten oder so was?
00:07:40: Keine Ahnung, paar Minuten auf jeden Fall.
00:07:42: Ich sag, das waren achtzehn Sekunden, so schnell war das.
00:07:45: Aber es hat sich halt alles so in Zeitlupe angefühlt.
00:07:49: Dann hab ich irgendwann einen Fernseher angemacht und dann sehe ich da unsere Polizeipräsidentin sitzen und Pressekonferenz geben und denke, ach Gott, das nimmt jetzt solche Ausmaße an.
00:08:00: Während sie sich erholt, beginnt für andere erst der Ausnahmezustand.
00:08:05: Kollegen kümmern sich um ihren Mann, fahren zu ihm nach Hause, wollen ihn abholen.
00:08:11: Kein Chaos, kein Lärm, nur eine stille Welle aus Fürsorge, die durch die Dienststelle läuft.
00:08:18: Mein stellvertretender Dienstgruppenleiter, der hatte an dem Tag frei.
00:08:22: Und aber weil wir damals schon wirklich ein gutes Verhältnis alle auf der Schicht haben, hat der ... sich in den Dienst versetzt und ich zu meinem Mann gefahren
00:08:30: nach Hause
00:08:31: und wollte den abholen und ins Krankenhaus bringen, aber zu dem Zeitpunkt war der schon weg.
00:08:36: Ja, und solche Sachen hat man dann im Nachhinein mitgekriegt.
00:08:39: Ich hatte dann noch ein bisschen Sorge, was mit meiner neuen Hose passiert, weil wir ja kurz davor die blaue Uniform bekommen hatten.
00:08:45: Ich sagte, lasst aber meine Hose ganz, die habe ich erst neu gekriegt.
00:08:49: Ja, ne, konnten sie natürlich nicht, hatten sie dann aufgeschnitten, aber der Rest wurde dann versorgt.
00:08:53: Nachdem die Aufregung abgeklungen ist, geht es um die Aufarbeitung.
00:08:58: Und um die Frage, wer waren die Täter?
00:09:01: Das war total wichtig für uns.
00:09:04: Als es dann abgeschlossen war, haben wir auch die Möglichkeit bekommen, viel zu lesen.
00:09:10: Und auch, was die Kollegen erzählt haben, diese ganzen Fälle vorne dran.
00:09:16: Das waren so viele kleine Mosaik-Teilchen, die für uns total wichtig waren, um die Sache zu verarbeiten, glaube ich, um es zu verstehen.
00:09:25: Besonders die Täterin beschäftigt sie.
00:09:28: Ich glaube nicht, dass sie das freiwillig gemacht hat.
00:09:31: Ich glaube, die wurde überredet dazu.
00:09:34: Und war total überfordert und schalt einfach mit.
00:09:37: War die Täterin etwa Selbstopfer?
00:09:39: Das bleibt bis heute ungeklärt.
00:09:42: Doch von ihrer Auslauf hat die Polizistin eine ganz klare Meinung.
00:09:45: Ein schlechter Typ, der sie eben dazu zwungen oder überredet hat für ihn, für Geld.
00:09:54: sich in Gefahr zu bringen.
00:09:57: Doch ganz verstehen, ganz begreifen, wird man es nie können.
00:10:02: Die Polizistin macht ihren Frieden mit dem, was am zehnten Dezember, am Karlsdorff passiert ist.
00:10:08: Ich habe nie ein Kroll oder sowas gehegt.
00:10:11: Ich habe danach auch nur tatsächlich zweimal geträumt von den beiden.
00:10:15: Ich hatte so ein Schnee, irgendwelche Flashbacks oder sowas mit denen, sondern ich habe zweimal geträumt und da nur
00:10:23: gut.
00:10:24: Und zwar, dass die sich entschuldigen bei mir.
00:10:26: Das war's dann für mich.
00:10:28: Sie schießt auf den Mann, nicht auf die Frau.
00:10:31: Eine ihre Kugeln trifft, ist aber nicht tödlich.
00:10:34: Die Frage war dann immer, wie geht's euch?
00:10:36: Macht ihr euch Vorwürfe?
00:10:39: Dann hab ich gesagt, nee, die Ursache haben die gesetzt.
00:10:42: Wir haben nur reagiert, die Ursache haben die gesetzt.
00:10:45: Deswegen war das für mich in Ordnung so.
00:10:48: Die Kollegen bei der Polizei nehmen Rücksicht auf sie.
00:10:52: Versuchen sie zu unterstützen.
00:10:54: Der Zusammenhalt ist groß.
00:10:56: Als ich dann wieder in den Dienst gegangen bin, war ich vorher auch schießen.
00:11:01: Ob das funktioniert alles, ob das geht.
00:11:03: Und als dann wieder ein Bankalarm kam, kannst du fahren, ist das in Ordnung für dich.
00:11:10: Und auch jedes Mal beim Schießtraining heißt immer, in Ordnung für dich musst du raus, sag Bescheid.
00:11:15: Also alle haben da eine ganz große Acht drauf und sind sensibel da irgendwie mit mir.
00:11:22: Im Januar ... fährt sie wieder Einsätze.
00:11:25: Auf Menschen muss sie nicht mehr schießen.
00:11:27: Es war gut, wieder gleich aufs Pferd zu gehen.
00:11:30: Ja.
00:11:31: Mit alltäglichen Situationen geht sie heute genauso um wie damals.
00:11:36: Man sagt immer, wenn man so einen Schicksalsschlag mitmachen muss, ich reg mich über Kleinigkeiten
00:11:42: nicht mehr auf.
00:11:43: Das kennen wahrscheinlich jeder von uns, dass man sagt, da steckt man keine Energie rein.
00:11:48: Natürlich reg ich mich über Kleinigkeiten auf.
00:11:51: Aber ich hab damals schon gedacht, Oder hatte das irgendwo gelesen, diese Säulen des Lebens, das gesundheitliche, das finanzielle, das private oder familiäre.
00:12:02: Wenn irgendwo was bröckelt oder einstürzt an diesen Säulen, ist das nicht schlimm, wenn die anderen stabil sind.
00:12:07: Und das habe ich für mich so gedacht.
00:12:09: Stimmt, das kann ich total nachvollziehen.
00:12:12: Sie in alle anderen Säulen sind bei mir stabil.
00:12:15: Deswegen schlägt mich das jetzt groß gar nicht aus der Bahn.
00:12:22: Für ihren Kollegen endet der Einsatz dramatischer.
00:12:26: Er hat geschossen.
00:12:27: Und einen Menschen tödlich verletzt.
00:12:30: Damit hat er eine Grenze überschritten, auf die kein Training, kein Einsatzplan wirklich vorbereitet.
00:12:36: Was bleibt, sind Bilder, Geräusche und die Frage, wie mache ich jetzt weiter?
00:12:44: Denn während auf seine auch körperlich verletzten Kolleginnen die Aufmerksamkeit lag, stand er mitten in der Szenerie.
00:12:50: und truxelische
00:12:51: Wunden davon.
00:13:00: Die Kollegin wurde im Rettungswagen behandelt.
00:13:04: Ich war da stark unter Strom, wollte da mitarbeiten.
00:13:07: Da kam ein Passant gelaufen, der da in die Szenerie reinlief.
00:13:11: Was mich überrascht hat, ist, dass tatsächlich ... Stellt es dir vor, da fallen Schüsse.
00:13:16: Dann sieht man, wenn man das im Film sieht, dann rennen alle Leute weg und werfen sich auf den Boden.
00:13:20: Es war gar nicht der Fall.
00:13:22: Es war eher so, dass die Leute ganz interessiert geschaut haben.
00:13:27: bewusst darüber, wie gefährlich die Situation da war.
00:13:30: Wie gesagt, da lief einfach ein Passant in diese Szenerie rein, dann habe ich da noch weggeschickt.
00:13:35: Da kommt dann gleich, also kommen ganz viele Kollegen und dann fängt man natürlich mit den ganzen Maßnahmen, da musste abgesperrt werden.
00:13:41: Für mich war immer wichtig, was ist mit der Kollegin, aber die war im Krankenwagen, der Krankenwagen stand dann auch da, die wurde da relativ im Nachgang, also für mich hat sich das lang angefühlt, im Krankenwagen versorgt.
00:13:53: Wie lange das tatsächlich war, kann ich heute immer sagen.
00:13:55: Auch um ihn kümmert sich sofort ein Helfer.
00:13:57: Doch er steht so unter dem Einfluss der Eindrücke, dass er erst mal nur funktioniert.
00:14:02: Und irgendwann kam dann ein Kollege zu mir in Zivil, denn ich bis zu dem Tag auch noch nicht kannte.
00:14:09: Das war der damalige sogenannte psychosoziale Berater.
00:14:13: Wir haben da quasi so ein Netzwerk von Kollegen, die eine Zusatzausbildung haben, die sich quasi um Kollegen kümmern, die ... in irgendeiner Art und Weise schwere Einsätze durchlebt haben oder so.
00:14:25: Und er kam dann da schon vor Ort, hat sich mir vorgestellt
00:14:29: und dann habe
00:14:30: ich ihm gesagt, ja, das ist schön für dich, schön dich kennenzulernen, ich habe jetzt keine Zeit für dich.
00:14:35: Dann habe ich gesagt, ja, das ist schon alles okay, ich laufe dir einfach hinterher und er steht tatsächlich die ganze Zeit mir nicht von der Seite gewichen, lief da immer hinter mir her.
00:14:43: Und irgendwann hat mein damaliger Revierleiter, der auch vor Ort dann war und hat da die Maßnahmen koordiniert irgendwann gesagt.
00:14:50: Man soll mich mal wegbringen von dieser Örtlichkeit.
00:14:52: Der Berater bringt ihn weg vom Tatort.
00:14:55: Setzt ihn in einen Rettungswagen.
00:14:57: Dann hab ich mal kurz meine Eltern angerufen.
00:14:59: Ich war damals eine Verheiratet oder so.
00:15:01: Ich hatte zwar eine Lebensgefährtin, aber verheiratet war ich noch netten.
00:15:04: Da hab ich gedacht, ich ruf immer meine Eltern an.
00:15:05: Weil ich auch weiß, dass meine Eltern so viele Nachrichten hören und so, wenn die das hören, den Karlsruhe, Polizei und so, dann machen die sich vielleicht gleich Sorgen.
00:15:12: Dann hab ich angerufen, dann war mein Vater am Telefon.
00:15:15: Dann hab ich gesagt, du hör mal zu, nur falls ihr irgendwas hört.
00:15:18: aus der Presse oder so.
00:15:20: Ich war gerade beim Bankraub in Karlsruhe und ich habe vielleicht gerade jemanden erschossen.
00:15:26: Da hat er gesagt, was hast du?
00:15:28: Ja, vielleicht jemanden erschossen.
00:15:30: Ja, alles klar, hat er meinen Vater gesagt.
00:15:33: Und da haben wir wieder aufgelegt.
00:15:34: Ich dachte, okay.
00:15:35: Ich muss aber dazu sagen, mein Vater hat sich dann zwei Stunden später noch mitmeldet und gesagt, ich war völlig perplexvoll.
00:15:41: Was ist da passiert?
00:15:43: Er hat es wohl selber in der Situation auch nicht richtig erfasst, hat sich dann noch mal gemeldet.
00:15:47: Für die Angehörigen ist es genauso ein Schock wie für die Polizisten.
00:15:51: Doch Letztere werden betreut.
00:15:53: Der Polizist wird ungeduldig.
00:15:55: Er will unbedingt raus aus dem Rettungswagen und seinen Kollegen helfen.
00:16:00: Der psychosoziale Berater sammelt ihn ein, packt ihn in einen Streifenwagen zu anderen Kollegen.
00:16:05: Da saßen wir da noch, ne?
00:16:07: Wir hatten ein paar Minuten und haben so ein bisschen gesprochen und so weiter und sofort.
00:16:13: Mir war es eigentlich immer wichtig, ich wollte dann zur Kollegin, die aber mittlerweile ins Krankenhaus abtransportiert worden ist und so.
00:16:19: Und er hat gesagt, er hat es ins Krankenhaus, können wir jetzt nicht.
00:16:25: Und dann sind wir auf meine damalige Dienststelle gefahren als aufs Revier.
00:16:30: Dort macht er seine Aussage, gibt seine Waffe ab.
00:16:33: Nach jedem Einsatz, bei dem ein Polizist geschossen hat, muss alles untersucht werden.
00:16:39: Seiner Revierleiter sagt, er solle sich so viel Zeit nehmen, Ihr braucht und benötige keine Krankmeldung.
00:16:46: Er fährt als erstes ins Krankenhaus zu seiner Partnerin.
00:16:51: Die war mittlerweile mit der OP fertig und hab mich dann da noch kurz mit ihr ausgetauscht.
00:16:57: Klar, hab ihr gesagt, also natürlich erst mal haben wir beide gesagt, wow, da haben wir ganz schön Glück gehabt.
00:17:06: Ja, aber wir haben auch natürlich kurz gesprochen, was passiert ist und so weiter und so fort, was ich auch relativ für relativ wichtig empfand, weil man nimmt nicht alles wahr in so einer Situation und man hat so ein bisschen Logiklücken, warum ist jetzt genau das passiert?
00:17:19: und das habe ich nicht mitgekriegt.
00:17:20: Und wenn dann Sie mir dann Ihre Wahrnehmung erzählt hat, dann wird so ein bisschen mehr so ein Bild raus, weil man dann doch die eine oder andere Logiklücke, die man selber hat, dann schließen kann.
00:17:32: Ja, und dann, ich weiß nicht, wie lange ich im Krankenhaus war, ich würde mal schätzen, vielleicht so eine.
00:17:37: eine Stunde
00:17:37: oder so, dann bin ich tatsächlich nach Hause wieder.
00:17:48: Nach dem Gespräch mit seiner Kollegin verlässt er das Krankenhaus.
00:17:52: Beide haben überlebt.
00:17:54: Jeder mit seinen eigenen Lücken im Kopf, den unvollständigen Bildern eines Einsatzes, der kaum Raum für Bewusstsein ließ.
00:18:04: Draußen wartet die Nacht.
00:18:06: Für sie bedeutet das Ruhe nach dem Ausnahmezustand.
00:18:11: Für ihn beginnt das Kröbeln.
00:18:15: Zu Hause versuchte, zur Normalität zurückzukehren.
00:18:19: Aber wie schläft man, wenn man dem eigenen Tod entkommen, aber jemand andere gestorben
00:18:24: ist?
00:18:26: Ich hab damals in der WG gelebt mit einem guten Freund von mir.
00:18:30: Der war so ein bisschen verunsichert.
00:18:33: Weil dem hab ich natürlich kurz davor schalt gesagt, was los ist und so.
00:18:37: Und dann hat er gesagt, ja.
00:18:39: Er hat ja noch einen anderen Freund gleich eingeladen, weil ich glaube, es war ihm so ein bisschen unangenehm.
00:18:44: Er wusste nicht so recht, was er damit mit mir anfangen soll.
00:18:46: Aber im Prinzip war es relativ einfach.
00:18:48: Wir haben uns da so ein bisschen unterhalten, nicht übers Geschehen, aber überall das Mögliche.
00:18:51: Sassen haben ein bisschen zusammen und früher oder später ist der eine Freund nach Hause gegangen und der andere ist ins Bett gegangen.
00:18:57: und dann saß ich da und dann ging die erste Nacht romantisch schlafen.
00:19:01: Also ich hätte auch gar nicht schlafen
00:19:02: können.
00:19:03: Mit der Schlaflosigkeit kommen auch die Gedanken an den Tatort.
00:19:07: Details fallen ihm erst später wieder ein.
00:19:09: Also ich mir statt zu Hause nochmal eingefallen, dass ich diesen Wandschuss, den ich in dieses Blumenbeet abgegeben habe, in dieser Vernehmung gar nicht erwähnt hatte.
00:19:20: Und dann habe ich damals den Kriminaldauerdienst angerufen, das ist quasi die Kriminalpolizei, die vierundzwanzig Stunden Dienst ist.
00:19:26: Die habe ich da angerufen und habe denen gesagt, ich habe das vergessen, da habe ich reingeschossen.
00:19:31: Ich weiß nicht, ob ich mir vielleicht dieses Blumenbeet ausheben oder so und dieses Projektil zu holen.
00:19:37: Und dann haben die gesagt, ja, sie Sie überprüfen das mal.
00:19:42: Und dann habe ich einen Rückruf gekriegt vom Polizeiführer vom Dienst.
00:19:45: Das ist quasi der höchste Polizist in Karlsruhe in der Nacht.
00:19:50: Und der hat eigentlich angerufen.
00:19:52: Das fand ich tatsächlich überraschend und auch ein Stück weit beeindruckend.
00:19:55: Der hat eigentlich angerufen.
00:19:56: Der wollte gar nicht.
00:19:58: Den hat das mit diesem Mannschuss gar nicht interessiert.
00:20:01: Der wollte eigentlich nur von mir hören, ob es mir gut geht und so.
00:20:03: Weil man sich da wohl ein bisschen Sorgen gemacht hat.
00:20:05: Warum ich jetzt zu Hause über solche Sachen nachdenke und so.
00:20:09: Und ich wohl einen etwas aufgewühlten Eindruck gemacht hatte.
00:20:12: Und dann habe ich gesagt, mir geht es so weit gut, alles okay.
00:20:17: Und dann haben wir das Gespräch beendet.
00:20:19: Und dann habe ich mir tatsächlich die Nacht um die Ohren geschlagen, so ein bisschen mit sinnlosen Tätigkeiten.
00:20:23: Ich weiß gar nicht, was ich gemacht habe, aber so konzentrieren kommt man sich ja vor.
00:20:26: Eigentlich konnte ich mich auf gar nichts so schlafen, war auch nicht anschlafen, war nicht zu denken.
00:20:30: Er wird weiter psychologisch betreut.
00:20:33: Jeden Tag erhält einen Anruf, bis er schließlich sagt, dass er sich von alleine melden will.
00:20:39: und der Berater ihn nicht ständig kontaktieren muss.
00:20:45: Nicole Güsell, eine Polizistin und Psychologin, arbeitet an der Hochschule für Polizei in Fillingen-Schwenningen im Bereich des psychosozialen Gesundheitsmanagements.
00:20:55: Ihre Hauptaufgabe besteht darin, ein weitreichendes Netzwerk zur Unterstützung von Polizeibeamten aufzubauen, die in belastenden Situationen oder Einsätzen sind.
00:21:05: Sie war damals nicht im Einsatz, kann aber mit dem Blick von heute dazu sagen,
00:21:10: Wenn ein Schusswaffengebrauch stattgefunden hat, dann ist es klar, dass da dann die PSBs vorbeikommen und zwar nicht nur bei dem Kollegen oder der Kollegin, die dann direkt von dem Schusswaffengebrauch irgendwie betroffen ist, sondern bei allen, die das natürlich dann auch mitbekommen haben, die dann auch da im Einsatz tätig waren.
00:21:29: Die Nachsorge, das ist heute Routine.
00:21:33: Damals war es neu.
00:21:35: Ich habe den Eindruck, dass es mittlerweile einfach viel normaler geworden ist und dass das Klima schon so ist, dass es jetzt auch normal ist, beispielsweise wenn jetzt ein belastender Einsatz ist, dass es ganz selbstverständlich ist, dass da die psychosozialen Berater kommen und dass jetzt gar nicht was Besonderes ist.
00:21:55: Und ich habe schon den Eindruck, dass da die Bereitschaft auch Hilfe anzunehmen, deutlich gewachsen ist.
00:22:02: Zwei Menschen aus diesem Einsatz werden zum Symbol für eine Polizeigeneration, die lernen muss, auch über den Schmerz zu reden.
00:22:11: Später war es dann auch so in den Tagen drauf.
00:22:17: Da hat sich alles verschoben.
00:22:18: Ich hab dann teilweise tagsüber geschlafen und nachts war ich dann wach oder gar nicht geschlafen.
00:22:22: Es war ganz, ganz merkwürdig.
00:22:27: Ich hab tatsächlich nie davon geträumt, kein einziges Mal, hab ich nicht.
00:22:31: Aber man hat natürlich klar, es macht sich Gedanken drüber.
00:22:34: Ein paar Tage später geht er noch einmal an den Tatort.
00:22:37: Damit das alles nochmal angeschaut, wie es da aussieht.
00:22:40: Es gab auch Einschusslöcher in so Mauersteinen.
00:22:45: Gabs auch ein paar Einschusslöcher.
00:22:46: Das hab ich mal alles angeschaut, damit das nochmal so durchdacht und so.
00:22:49: Aber ich kann mir das gar nicht so richtig strukturierte Gedanken sind.
00:22:54: Das ist eigentlich
00:22:55: nicht
00:22:55: so, finde ich.
00:22:56: Das kommt halt ganz viel immer wieder
00:22:57: hoch.
00:22:58: Nur
00:22:59: durchdenkt es dann wieder und dann schiebt man es doch wieder bei Seite und dann denkt man auf einmal doch wieder dran.
00:23:05: Ich habe auch nie, was ja viele Berichten so Flashbacks gehabt, dass man sich auf einmal zurück in der Situation empfunden hat oder so, das hatte ich tatsächlich
00:23:12: nie.
00:23:13: Ein schlimmes Erlebnis löst nicht bei jedem Menschen dieselbe Reaktion
00:23:17: aus.
00:23:17: Klassisch ist nichts, also es kann sein, dass jeder da ganz ganz anders darauf reagiert.
00:23:22: Aber es ist natürlich für beide ein Traumat, also auf jeden Fall ein traumatisches Ereignis passiert.
00:23:28: und es ist halt die Frage, wie reagieren jetzt der Kollege, die Kollegin, darauf?
00:23:32: das ganze Spektrum von, man kommt da relativ ungeschoren raus über vielleicht die ersten paar Tage, merkt man, es ist ein bisschen anders, man denkt ganz viel dran, man kann nicht gut schlafen, man ist gereizt über, das kommt noch... Es dauert länger an oder es ist einfach ein bisschen heftiger, intensiver.
00:23:54: Vielleicht die eine Person kann nicht so gut schlafen.
00:23:57: Die andere Person, bei der es ist eher mit dieser Reizbarkeit, dass da kommen dann eben auch noch die ganz individuellen Unterschiede natürlich zum Tragen.
00:24:06: Es kann man für niemanden pauschal sagen, so ist es, wenn X passiert.
00:24:11: Er denkt viel darüber nach, wie es ist, jemandem das Leben zu nehmen.
00:24:17: Gedanken, die er lange nicht mehr los wird.
00:24:20: Im Nachgang natürlich denken wir drüber nach und denken, woher ihr das Glück habt und so, aber in der Situation selber nicht.
00:24:27: Ich war sogar eher im Nachgang ein bisschen von mir selbst schockiert, wie einfach es ist, diesen Abzug zu betätigen.
00:24:35: Also ich war ein bisschen von dieser, sag ich mal, Emotionslosigkeit so ein bisschen schockiert, weil wir drückt ja den Abzug und eventuell löscht man dann ein Leben aus.
00:24:48: So muss man es ganz hart sagen.
00:24:50: Also ich habe da natürlich oft darüber nachgedacht, aber ich bin eigentlich immer zu dem selben Schluss gekommen.
00:24:55: Es war nicht anders möglich.
00:24:57: Dieser psychosoziale Berater, den ich damals an der Seite hatte, der hat für mich auch einen relativ wichtigen Satz gesagt.
00:25:05: Also das war tatsächlich so ein Satz, der in mir was getrickert hat.
00:25:07: Ich weiß auch nicht warum, aber ich habe natürlich dann mir auch diese Gedanken gemacht.
00:25:11: Das hast du da vielleicht gerade einen Familienvater erschossen oder so.
00:25:15: Oder was war das für ein Mensch und so.
00:25:17: Und er hat dann zu mir gesagt, das weiß ich noch, als wär's gestern gewesen.
00:25:21: Er hat mich so an den Schultern gepackt, hat mich tatsächlich so ein kleines bisschen grüttelt.
00:25:26: Also sag ich das mal sanft liebevoll gerüttelt und hat gesagt, hey, die haben dich in diese Situation reingezwängt.
00:25:33: Die hätten jederzeit einen anderen Weg wählen können.
00:25:36: Aber du warst quasi, die haben dich dazu genötigt, so zu handeln.
00:25:41: Und das ist tatsächlich was, wo für mich so ein bisschen so einen Knoten, sag ich mal, aus dem Gehirn rausgenommen hat, wo ich sage, eigentlich hat er da recht, ja.
00:25:47: Er rastet manchmal aus in alltäglichen Situationen, wenn ihm eine Tasse herunterfällt beispielsweise.
00:25:54: So hätte er vor dem Schusswechsel nicht reagiert.
00:25:57: Der psychosoziale Berater kommt zu ihm nach Hause, spricht mit ihm, aber auch mit seiner Lebensgefährtin, erklärt, was das Trauma mit einem Menschen machen kann.
00:26:08: Das hilft ihm.
00:26:09: Er tritt eine lange geplante Reise nach Australien an, mit seinen Freunden, einfach aus, einfach weg, weg von allem.
00:26:17: Weg von der Szenerie, die ihn einholt, weg von der Presse, die ständig berichtet.
00:26:22: Das hilft ihm, den Kopf wieder frei zu bekommen.
00:26:25: Anders geht es dem Passanten, der in die Schießerei versehentlich reinlief, von der Polizei für einen möglichen Täter gehalten wurde.
00:26:33: Das sagt er später, einer Journalistin der badischen Neuste Nachrichten, bei einem Treffen im Café.
00:26:39: Er erzählt, wie er beim Karls-Tor über die Straße gehen will.
00:26:44: Nach ein paar Schritten hörte ich Riesengeschrei, dann vielen Schüsse.
00:26:47: Ich sah, wie mehrere Kugeln an der Mauer im Kals zu abrallen und Betonspiele da wegflogen.
00:26:52: Mein erster Gedanke war, da läuft einer Armock.
00:26:56: So kurz vor Weihnachten.
00:26:57: Er wirft sich flach auf den Boden.
00:26:59: Schüsse knallen durch die Luft.
00:27:01: Zwei schwarz gekleidete Männer stürmen auf ihn zu.
00:27:04: Er blickt in den Lauf einer Maschinenpistole.
00:27:07: Der eine ist mir mit vollem Gewicht in den Rügen gesprungen.
00:27:10: Er hat geschrieben, bewege dich nicht, sonst knall ich dich ab.
00:27:14: Ich wusste nicht, wer auf meinem Rücken saß.
00:27:16: Ich dachte, jetzt sterbe ich, jetzt ist es vorbei.
00:27:19: Als sei er aus seinem Körper herausgetreten, sieht er sich selbst auf dem Boden liegen, von dem Mann mit der Waffe auf den Boden gedrückt.
00:27:27: Während der Karlsruhe auf dem Nassen als Falt liegt, tauchen die Warenbankräuber in seinem Blickfeld auf.
00:27:33: Er muss mit ansehen, wie der Mann tödlich getroffen
00:27:37: wird.
00:27:38: Eine Art Volk ist aus seiner Brust entwichen.
00:27:41: Er sieht einen Menschen sterben und er fürchtet, dass er als Nächstes an der Reihe ist.
00:27:47: Mir kam das wie eine Ewigkeit vor.
00:27:50: Irgendwann darf er endlich aufstehen.
00:27:53: Jemand gibt dem zitternden Mann eine Decke.
00:27:56: Auf dem Polizeipräsidium wird er verhört.
00:27:59: Stückchenweise klärt sich auf, in was für einen Krimi er da geraten war.
00:28:04: Die Opferschutzbeauftragte der Polizei vermittelt eine Traumatherapeuten und bemüht sich sehr um den Mann.
00:28:11: Er erhält einige tausend Euro als Entschädigung.
00:28:14: Er trifft die beiden Polizisten.
00:28:16: Rationals sage ich, okay, ich habe nur ihre Arbeit gemacht, aber emotional sei es anders aus.
00:28:22: Ich hatte Angstzustände, Depressionen, Herzrhythmusstörungen, Albträume, konnte kaum noch schlafen.
00:28:28: Das Leben des Mannes, der als selbständiger Unternehmer gearbeitet hat, und auch Mentalcoach war, gerät durch das Ereignis aus den Fugen.
00:28:38: Er erlebt den totalen Kontrollverlust.
00:28:41: Bei einem Überfall auf seine Nachbarn wird es laut.
00:28:45: Sofort kommt das Erlebte wieder hoch und er verschankt sich in seiner Wohnung.
00:28:50: Er bleibt lange arbeitsunfähig.
00:28:52: Er muss schließlich den Gang zum Sozialamt antreten.
00:29:00: Er ist nicht das einzige Opfer.
00:29:02: Auch die Bankangestellten sind traumatisiert.
00:29:05: Sie werden später den badischen neuesten Nachrichten sagen.
00:29:08: Beim Überfall habe ich stark gezittert.
00:29:11: Und wenn sich in den Wochen
00:29:12: danach im Schalterraum jemand
00:29:13: merkwürdig benahmen, ist sofort ein mulmiges Gefühl aufgestiegen.
00:29:16: Es gab den Gedanken, wären die Bankräuber nach einem Leben, wenn niemand den Alarmknopf gedrückt hätte?
00:29:22: Die Bankräuber waren total ruhig und beherrscht.
00:29:24: Wir hatten das
00:29:25: Gefühl,
00:29:25: wenn wir alles machen, was die sagen, dann gehen die wieder.
00:29:28: Der Angestellte, der mit dem Täter beim letzten Überfall im Tresorraum war, ist sechs Monate danach immer noch in Therapie.
00:29:36: Nach dem Überfall ist der Monatelang arbeitsunfähig.
00:29:40: Auch sechs Jahre später noch reicht ein kleiner Anlass, um die Erinnerung an die Qual des Tages aufleben zu lassen.
00:29:48: Wenn ich einen Menschen sehe, der ähnlich aussieht wie die Täter, oder wenn ich auf einen Artikel über den Banküberfall stoße, dann drückt es mir die Luft zu.
00:29:58: Den Namen Gentleman-Räuber hält er für zynisch.
00:30:02: Sie haben auf mich aggressiv und zu allem fähig gewirkt.
00:30:06: Der zehnte Dezember ist mein zweiter Geburtstag.
00:30:10: So ein Erlebnis verändert den Menschen.
00:30:13: Die Zeit hat alle wunden.
00:30:15: Aber die Narben werden sie nicht mehr los.
00:30:18: Zehn
00:30:18: Minuten Gewalt
00:30:20: und ein Leben lang Nachhalt.
00:30:24: Was bleibt, sind Narben, die man nicht sieht.
00:30:27: Und Erinnerungen, die sie nicht abschütteln lassen.
00:30:30: Für die Opfer ist der Zehnte Dezember, nie zu Ende gegangen.
00:30:36: Und für die, die damals als Täter galten, war er das Ende, einer langen Geschichte, einer Flucht, die vor Jahren begonnen hatte.
00:30:45: In der nächsten Folge sprechen wir über sie, über Jaroslav und Regina B. Wer sie waren, wie aus einem unauffälligen Paar die meistgesuchten Bankräuber Deutschlands wurden.
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